in Omas Kleidern |
Triebswetter - ein schönes Wort! Oder, etwa nicht? Na ja, "triebes Wetter" und wer mag das schon? Alles grau in grau, viele Wolken und keine Sonne. Triebswetter ist aber Sonne. Sonne in meinem Herzen und in all die Herzen, die hier mal gelebt haben, denn Triebswetter ist UNSERE HEIMAT. Ich wurde hier geboren, bin hier aufgewachsen. Da, hab ich meine Kindheit und Jugend gelebt. Hier hab ich meine ersten Freundschaften geschlossen und meine große Liebe gefunden. Die Waagschalen standen nicht waagerecht, eine war zu hoch - weil zu leicht, die andere zu tief - weil zu schwer. Das hat mir seine Mutter klargemacht und ich hab`s kapiert. Daraus ist nur eine schöne Erinnerung geworden, genau wie Triebswetter. Trotz allem hängen wir an diesen Erinnerungen und lieben sie sehr, denn sie sind unser Leben. Wenn auch nicht immer heiter und froh, es gab auch viel Kummer und Leid in all diesen, unseren Lebensjahren. Mit 15 hab ich gelernt was Heimweh ist. An den Wochenenden, wo ich heimkam und aus dem Waggonfenster schon von weitem den Kirchturm unserer Kirche sah, war alles wieder gut. Kirche und Kirchturm sind meine Leitbilder geblieben. Wenn ich komm, da erfreut mich der Anblick und wenn ich geh, stimmt dieser Anblick mich wieder traurig Das ist das Erste und das Letzte, was man als Reisender von Triebswetter sieht. Das Leben selber, läuft nur noch als Film - in uns. Die ersten Monate des Jahres, wo ausgesät, pikiert, "un Tippe gemach gin sin." Die "Mischbettle und Glasheiser"," Lecher bohre, Rinne ziehe, "ausgeize" und, und, und Im Sommer wurden "die Ress for`m Waan gspannt un die Pardeis abgfiehrt". Verbesserungen kamen nach und nach, Gummiräder, Plattform, später Autos. Alles ist zum transportieren benutzt worden. Zum" fratschln" ging`s, weniger nach Arad, meist nach Temeswar. Ich muß nicht alle Arbeiten aufzählen, jeder "Triebswedrer" erinnert sich auch so. "Ferma un Kollektiv derf mer nit vergesse un di Turanschebeem." Nein, wir haben nicht nur gearbeitet, Unterhaltung gab`s auch, " Karte spiele, Gesellschaft gehn, Kirbai, Ball usw. Die "Kirbai" war ja unser Highlight, die Röcke gestärkt und in Falten gelegt, die Hüte "ufgeputzt", der Maibaumstrauß versteigert. "Im Kamin" wurde getanzt. Die " Alten" saßen oben- und -rundherum, um den " Jungen" beim Tanzen zuzuschaun. Wer tanzt mit wem, wie oft, die schaut "so bees", der schaut sie nicht an , er kann nicht tanzen, ihr Kleid ist "vertrikt". Das waren Zeiten! So kam der Herbst und Winter "die Stengle" wurden geschnitten , die Schweine geschlachtet. "Zu tun" gab`s immer was! Und die Jahre gingen so dahin. Die Jungen wurden alt, die Alten sind gestorben. Wir, die am leben Gebliebenen, sind ausgewandert, haben Triebswetter, unsere Häuser, unsere Freunde, unsere Arbeit, unsere Bräuche verlassen, um in der Fremde unser Glück zu suchen. Haben wir es gefunden? Marliese Wolf |