Der Apfelbaum
 
Der Apfel ist bekanntlich die älteste kultivierte Frucht, eine reine Vitaminbombe und wohl das beliebteste Obst in unseren Breitenkreisen. In der Mythologie ist der Apfel schon sehr stark vertreten , wie z.B. der "goldene Apfel der Eris" auch "Zankapfel " genannt, der zum trojanischen Krieg geführt haben soll. Dem Apfel werden nicht nur Streit, Zank, Krieg zugeordnet sondern auch ewige Jugend, Unsterblichkeit, Liebe und Fruchtbarkeit. Am meisten jedoch wird er mit Versuchung und Sünde zusammengebracht, denken wir nur an Adam und Eva im Paradies und der Baum der Erkenntnis.
 


Bei uns Triebswetterer war der Apfel auch sehr beliebt. Wir hatten
ja nur unsere einheimischen Früchte, denn Exoten gab es bei uns,
wenn, nur sehr selten zu kaufen und das waren Orangen und getrocknete Feigen.

Triebswetter, in der banater Heide, war von Feld umgeben. Flach, weit und breit lag es da und dem Auge bot sich, außer dem Horizont
kein Hindernis. Ich hätte immer sehr gerne ein Stück Wald außerhalb
vom Dorf gesehen. Den gab es auch vor einigen Jahrzehnten, er wurde aber abgeholzt, denn die Kollektivwirtschaft brauchte viel Feld um Erträge zu erzielen. Damit ist nun auch schon gesagt, dass das viele Feld rund ums Dorf seit 1948 der Kollektivwirtschaft gehörte, wo auch die meisten Dorfbewohner arbeiteten. Es wuchs da so ziemlich alles: Tomaten, Paprika, Kraut, Karfiol, etc. Es gab Weingärten und die Kollektiv hatte auch einen Obstgarten, wo Kirsch-, Pfirsich- und selbstverständlich Apfelbäume wuchsen.

Dem Kollektivbauer ging es mehr schlecht als recht, und so hat sich
manch einer um einen "Nebenverdienst umgesehen", so auch der M.N., der im "Neidorf" wohnte. Er hat aus dem Kollektiv-Obstgarten Äpfel geklaut und ist damit nach Temeswar auf dem Markt gefahren, um diese zu Geld zu machen. Fairerweise muss man dazu sagen, dass der M.N. nicht der Einzige war, der sich so "geholfen hat". Den "Kollektiv-Herren" war die "Stehlerei" nicht unbekannt, aber um jemanden anzuklagen brauch man Beweise oder man muss ihn auf frischer Tat ertappen. Deshalb sind einige von diesen Herren, des Öfteren, nach Temeswar auf dem Markt gefahren, um zu sehen, wer da was verkauft.

Ja, da saß nun der M.N. mit seinen Äpfeln und er wurde gefragt woher er diese, zum Verkaufen, hat. "Das sind meine, ich habe einen
Apfelbaum daheim"- sagte er. Man hat ihm es natürlich nicht geglaubt und es kam dazu, dass man sich vor Ort überzeugen wollte. In den Tagen darauf ließ sich der "Kollektiv-Präses" höchstpersönlich mit seinem "Gefolge" zum M.N. in's Neidorf chauffieren. Als sie sich dessen Haus näherten, sahen sie schon vom Auto aus, im Vorgarten den Baum mit seinen Äpfeln stehen. Da meinte der "Präses" : "Wir brauchen da gar nicht hinein zu gehen, man sieht ja schon von hier den Apfelbaum stehen. Der hat doch die Wahrheit gesagt."


Und die Moral von der Geschicht: "Traue deinen Augen nicht !"
,
denn wäre er in den Hof gegangen, hätte er den Zwetschgenbaum mit seinen angebundenen Äpfel bewundern können!

Text und Zeichnung von Marliese Wolf

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