Mokusch

 

  So wie die Menschen den Computer erfunden haben, so ähnlich muss der liebe Gott wohl uns Menschen erschaffen haben. Beide haben wir unseren vorprogrammierten Weg. Manchmal spielen wir verrückt, Viren greifen uns an, ab und zu stürzen wir ab und je nach Alter und Kapazität rappeln wir uns wieder hoch und setzen unseren Weg fort.
Wörter jedoch, sind für beide von großer Wichtigkeit. Sie erlauben uns die Kommunikation mit- und untereinander. Tippen wir ein Wort im Computer ein und fragen nach dessen Sinn, haben wir mit einem Klick, ganz schnell und ohne Emotionen, die Antwort.
Die Wörter sind es auch, die den großen Unterschied zwischen uns machen. Wir Menschen reagieren auf Wörter sehr emotional, denn wir haben eine Seele und ein Herz. Wörter bringen uns zum Lachen, aber auch zum Weinen, sie machen uns glücklich und traurig, sie erfreuen uns, verletzen uns aber auch zutiefst und nur allzu oft wissen wir überhaupt nicht, wie wir mit ihnen umgehen sollen.
Unser Gedächtnis ist auch nicht auf Knopfdruck abrufbar. Manchmal dauert es ganz schön lange bis wir etwas begreifen. Es ist aber auch erstaunlich, dass nur ein einziges Wort, wenn auch nicht mit einem schnellen Klick, so viel Vergessenes wieder zu Tage bringen kann.

Neulich schickte mir die Nelly eine e-Mail mit Foto von einem Eichhörnchen. Sie berichtete von dem Eichhörnchen, das stets in ihrem Garten zu sehen ist. Diesbezüglich erwähnte sie auch, dass es hier in Deutschland so viele Eichhörnchen gibt, während dies in unserer alten Heimat nicht der Fall war. "A Oichlkatz in Triebswetter - undenkbar!"
Dem Foto gab sie den Titel: MOKUS. Da ich eine Zeit meines Lebens in Arad, zwischen ungarisch Sprechenden, verbracht habe, weiß ich noch, dass im Ungarischen s=sch; sz=s, ausgesprochen wird. Also las ich gleich Mokusch, hatte bisher aber nicht gewusst, dass dies " Eichhörnchen" bedeutet. Irgendwie war das Wort mir aber vertraut.
Ich kann nicht genau sagen wieviel Zeit verstrichen ist, eine oder mehrere Stunden, jedenfalls stand ich am Herd um Essen zu kochen, da kam es mir so vor als ob ein Nebelfeld sich lichten würde und ich hörte eine Stimme, die sagte:

"Du bischt a kleene Mokusch! "

Woher kenn ich diese Worte? Wer sagte sie? Die Stimme wurde immer klarer, ich hörte meine Ruka Oma, die so zu dem kleinen Mädchen sprach, wenn dieses übermütig war. Gefühle kann man nicht beschreiben, es war Glück und Traurigkeit zugleich da. Glück, dass es diese Zeit gegeben hat, dass ich mich daran erinnert habe, obwohl so viele Jahre vergangen sind. Ich gestehe, dass die Traurigkeit überwogen hat, weil ich all diese, mir lieben Menschen schon verloren habe.
Ich hab meinen Vater gefragt, ob ihm "Mokusch" was sagt: -"Na weescht nit, ich saan heit noch zum Arthur " Mokusch", oder "du bischt a Mokusch". Des hat mer so in Tribsweder halt gsaa, zu di Kiner."
Die Antwort war mir ein bisschen "zu wenig". Ich hätte gern mehr darüber erfahren; wieso man so sagte?, woher es abgeleitet wurde? was es für die Triebswetterer bedeutet hat? War es auch Eichhörnchen? Oder war es schlicht und einfach nur: "unsere Koseform"?
Wenn Du, lieber Leser, mehr darüber weißt, melde Dich doch bei

Marliese


Antwort vun Nelly:

Marliese, ich han ti Oichlkatz Mókus genennt, wel mir tes so vun terhem gewehnt sin. Mir han eeni in Arad ghat, ti hat ma Vatter vun sa Kumrad aus Sovata gschenkt kriet. Un, ta mer gewehnt ware, jede uf sa Sproch anzuspreche, han mer zu tere szekler Oichlkatz Mókus gsaa, un sie Mimi *geteeft*. A paar Johr lang hat's pei uns gelebt, als tamals enzichi Oichlkatz in Arad. Es war vernarrt in ma Vatter un, wann's freigelos kin is, hat's immer er sa Näh gsucht.
Aa pa mir kumme Erinnerunge hoch, pittersiese, weil mir ma Vatter schun mehr als a halbes Lebe lang fehlt.
Ti Mimi ersetze anre Oichlkatze, ti to uf ti Peem herumlaafe, aber ihn, ma Vatter, kann kene vun ti Männer, ti uf ti Gass herumlaafe ersetze.


Ti Mimi, in Arad:

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