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Des Zigeinerloch vun
Triebswetter
Die
Mehrheit der triebswetterer Bevölkerung waren Deutsche. Es lebten
da noch Rumänen, Ungarn, Bulgaren und Zigeuner.
Letztere, also die Zigeuner, hatten ihre Häuser auf so ner kleinen
Halbinsel, die wir "Zigeinerloch" nannten. Ringsum grünes
Wasser, weil voller Linsen, mit vielen Kröten und wo das Schilf meterhoch
wuchs.
Das "Krottekonzert" konnte man an lauen Sommerabenden, wenn
das Dorf nach und nach zur Ruhe kam, ganz weit hören.
Sommerabende, wann die Arbeit getan, man zu Abend gegessen hatte und sich
zur Nachtruhe vorbereitete. Die Hitze des Tages war der kühleren
Abenddämmerung gewichen. Es war angenehm und auffallend still im
Dorf geworden. Keine Wagen- und Motorengeräusche mehr, hie und da
hörte man noch einen Menschen, dem Nachbarn was über`m Gartenzaun
zurufen und das Gekläff eines Hundes.
Immer mehr Sterne wurden sichtbar. Von weither war noch das Rattern des
letzten Zuges dieses Tages, "de Motor"`nach Temeswar hören.
Das war`s dann auch!
Der schönste Sternenhimmel, den ich je gesehen hab und das Unken
der Kröten hatten Triebswetter voll im Griff.
Klingt sehr romantisch, nicht? Damals empfanden wir das nicht so!
Doch zurück zum Thema.
Die "Flatterzigeiner" das waren die, die mit ihren "Tschatterwän"
in´s Dorf kamen, Töpfe und "Waidlinge" verschiedener
Größen gegen Federn oder Flaschen tauschten. Die kamen, ließen
sich eventuell für eine oder zwei Nächte im Sandloch nieder,
saßen am Lagerfeuer und zogen dann weiter, in`s nächste Dorf.
Aber unsere Zigeuner, die vom Zigeinerloch waren und blieben da. Es war
ein ziemlich gutes Miteinander (sie haben für Taglohn gearbeitet)
und ein entfernteres Nebeneinander.
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Die bekanntesten
Zigeuner für mich, waren die Lenka und der Juri. Wurde man in der
Früh vom Tööt, Töööt geweckt, wusste man
das ist die Lenka, mit oder ohne Juri. Mit ihrer Tute und dem Jutesack
lief sie durch die Strassen um die krepierten (heute sagt man: verendeten)
Tiere einzusammeln.
Als kleines Kind, sagte man mir, im Sack kommen "di schlimme Kinner
nin", also die, die nicht brav und nicht folgsam sind. Oft genug
bekam ich zu hören: "Soll ich die Lenka rufen ?" Die und
ihr Juri, waren "Feind Nr. 1" für mich und sobald ich das
"Töööt" hörte, lag ich auch Schwupp! schon
unterm Bett und so schnell kroch ich nicht wieder hervor.
Ich wuchs heran, unters Bett bin ich nicht mehr gekrochen, aber vor der
Lenka und ihrem Juri hatte ich weiterhin großen Respekt. Wenn die
Zwei auf der gleichen Straßenseite daherkamen bin ich auf der anderen
Straßenseite ausgewichen, waren sie hinter mir, bin ich einfach
gerannt damit der Abstand immer groß genug war.
Die Zigeinerlecher gibt`s auch heute noch. Andere Lenkas und Juris wohnen
noch dort, die meisten aber sind in unsere Häuser gezogen und andere
wiederum ruhen jetzt in den Gräbern unserer Ahnen.
Das Wasser ist ausgetrocknet, nur noch bei starkem Regen da. Ob es noch
grün ist?
Ob di Krotte noch singe?
Wir hören und sehen nichts mehr davon, denn wir sind weit, weit,
weg!
Marliese
Wolf
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