ist
in Bayern, für die einen die Adventszeit, für die anderen die
Zeit, wenn es vom Spätherbst auf die winterlichen Tage zugeht. Es
ist die Zeit, wo die Feldarbeiten getan, wo Mensch und Natur sich etwas
Ruhe gönnen. In den ländlichen Gegenden wird musiziert, man
trifft sich häufiger an den Stammtischen und bereitet sich auf die
bevorstehenden Feiertage vor. Es wird früh dunkel, die Nächte
werden immer länger. Es ist die Zeit des Nachdenkens und Gedenkens.
Es sind Bilder längst vergangener Tage, Erinnerungen, die auch uns
Triebswetterer heimsuchen, in diesen langen Winterabenden. Wir ziehen
Vergleiche: mit dem HIER und HEUTE, dem DORT und DAMALS. So manches, am
hiesigen Brauchtum ist uns vertraut und anderes wiederum fremd, doch "di
stahti Zeit" die haben auch wir in unserem Triebswetter gehabt.
Die stahti Zeit
war die Zeit, als der Schnaps gebrannt und der Wein schon in den
Fässern reifte, die Felder, im nebligen Morgengrauen, düster
und leer, dastanden. Hie und da war noch ein "Stopplfeld" das
geackert werden musste, doch "di Stengle wore gschnitt un de Stenglhaufe
hat im Hinerhof gstan". Von "Gar nichts tun" war nicht
die Rede, früh aufstehen musste man schon, um die Haustiere zu füttern
und "Holz mache, for de Obe schiere". So viel Arbeit wie im
Sommer gab es aber nicht und "obeds sin mr mahje gang". Als
Kind durfte ich mit meinen "Omas und Otas mahje gehn". Man saß
in der warmen Stube, das "gute" Wachstischtuch wurde zum Karten
und Remmy spielen ausgebreitet. Gespielt wurde "um Bohne- un Kukruzkeere
oder um Knepp". Es wurde geredet, ein oder zwei Flaschen Wein getrunken
und beim "Trump" heftig auf den Tisch "gekloppt" dass
die Gläser klirrten. Es war ein geselliges Beieinander!
|
|
|
|
"Was
war daran so schön, an diesen Abenden ohne Fernseher und Video-Spiele?
" - frag ich mich heute. War es: - das Gefühl der Geborgenheit?
, - die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft? , - die Entspannung
von dem alltäglichen Mühen und Plagen? , - die Großeltern
mal lachen sehen?
"Die stahti Zeit"
war Allerheiligen, der Tag, an dem
wir mehr als an anderen Tagen, unserer lieben Verstorbenen gedachten.
"De Wentje" wurde einen Tag davor, mit Hacke, Rechen, Gießkanne,
Besen und vor allem mit vielen Chrysanthemen-Blüten, in allen Farben
und Formen, bepackt und zum Friedhof gefahren. Bei der Beschmückung
der Gräber, kam nun die künstlerische Ader der Triebswettererinnen
zum Vorschein. Die Blumen wurden, farblich abgestimmt, in allen möglichen
geometrischen Formen auf´ s Grab gesetzt. Eines war schöner
als das andere anzusehen! ("Lieber Gott, lass es bitte nicht regnen!")
Am Allerheiligen Abend "sin mr dann Kerze brenne gang". Schon
von der Kirche aus konnte man den, vom Schein der Kerzen, hell erleuchteten
Friedhof sehen. Fast das ganze Dorf war da, ein reges Kommen und Gehen.
Jeder ging an "seinem" Grab, an dem "des" Nachbarn
oder Freundes und auch am Kriegerdenkmal ist keiner vorbeigegangen.
Man begegnete den Leuten, die man schon lange nicht gesehen und auch
denen, die es aus der Fremde heim gezogen hatte. Der Menschenmenge zum
Trotz, war nur ein leises Raunen und Murmeln über "unseren
Friedhof" zu hören.
"Die stahti Zeit"
war die Zeit der Schweineschlacht,
ein Familienfest. Jeder Helfer war willkommen, Schnaps und Wein fehlten
nicht und neben der Arbeit ging ´s immer lustig daher. "Unerm
große Kessel" wurde das Feuer entfacht, denn "Kesselfleisch
un Griebe sin dort gekocht gin". Der Bauer wurde zum Metzger, "Brotwurscht,
Leberwurscht, Schwartlmage,Schunge,Speck, Griebe und Groisl" alles
wurde hergestellt, denn der Winter war lang und Vorrat nötig.
"Die stahti Zeit"
war Weihnachten. Wir hatten unseren
Christbaum mit Kugeln, Kerzen und Salonzucker geschmückt. Anspruchsvoll
waren wir noch nicht, ein Christbaum hat uns glücklich gemacht.
Am Heilig Abend saß die Familie beieinander bis es Zeit war, in
die Christmette zu gehen. "Gess han mer gekochti Brotwurscht mit
Krien" nach der Mette, das war Tradition. Unsere schöne, große
Kirche war voller Leut` und der Höhepunkt:"Stille Nacht, heilige
Nacht".
"Die stahti Zeit"
war Neujahr. "Mir sin winsche
gang, ba di Freindschaft, ba die Nochbersleit, ba Phatt und Kohd, un,
un, un.. " Überall hat´ s guten Kuchen gegeben, die
Kinder haben "Sirop mit Soda" getrunken, die Väter, Wein
und Schnaps. Die Kinder haben sich Geld, Tischtücher, Handtücher,
Geschirrtücher "gewinscht", mit:
"Ich winsch, ich winsch, ich wees nit was,
greift im Sack un gibt mer was.
Loßt mich nit so lang do stehn,
well ich muß noch um a Haus weider gehen."
"Die stahti Zeit"
war auch noch an "Heilich drei
Keenich". Meistens "is Schmerkuche mit Lekmerich odr Griebepogotschle"
gebacken worden. In einem Stück- Kuchen wurde ein "Bani"
mitgebacken. Derjenige, der den Kuchen mit dem Geldstück erwischt
hat, war "de Keenich un hat a Bart mit Schuhkrem kriet." Die
Kinder haben sich immer gefreut und gelacht, wenn Vater oder Mutter
"Keenich gin sin", doch haben sie selber mal ein "Bani-Kuche"
erwischt, sind auch Tränen geflossen, keiner wollte mit Schuhcreme
gewichst werden.
"Die stahti Zeit"
war dann auch zu Ende. Ein neues "Gartenjahr"
wurde mit "Tippe mache" vorbereitet.
"Die stahti Zeit"
war eigentlich gar nicht so "staht"!?
Leider haben wir so wenig in Wort und Bild von unserem Alltag festgehalten,
denn, dass es irgendwann die "stahti Zeit in Triebsweder"
nicht mehr geben wird, kam uns nie in den Sinn!
Marliese
Wolf
|